Ich besitze keinen SMART-TV. Das ist natürlich ein Problem, wenn ich vom Homeserver/Fileserver (Datenhost, zentraler MPD, vgl. Ohne Musik Blogeintrag) Medien abspielen möchte, da der TV Netzwerkprotokolle wie z.B. samba oder NFS nur rudimentär unterstützt. Unser Haushalt besitzt zwar eine Popcornhour, die genau für diesen Zweck gedacht ist, aber irgendwie ist das Gerät mittlerweile sehr alt und wird bald ausdienen. Außerdem haben wir gemeinsam beschlossen, dass wir, wenn das Schlafzimmer fertig renoviert ist, auch im Bett per Monitor Filme sowie Serien vom Homeserver schauen möchten. Getestet wird das ganze Unterfangen mit einem alten ausrangiertem Monitor, der momentan auf meinem Schreibtisch steht. Daneben das Bett im Wohnzimmer durch die Renovierungsarbeiten.

Aus diesem Grund habe ich - auch weil ich gerne mit neuen Systemen bastel - mir einen Raspberry Pi 3 bestellt. Ein Mini-PC, der in Version 3 mittlerweile auch genug Power besitzt, um alltägliche Anforderungen locker zu erfüllen. Das Gerät ist einfach so klein, es passt in meine Handfläche. Ich war dermaßen buff.

Raspberry Pi 3 Set

Das nächste war natürlich eine Art Fernbedienung. Herkömmliche Fernbedienungen haben mir meist zu wenig Funktionen, vor allem dann, wenn dieser kleine MiniPC eigentlich alles kann, da brauche ich eine richtige. Die Wahl fiel dann auf die nachfolgende kabellose Tastatur im Miniformat mit integrierter Maus und 2,4GHz Funknetz. Auch das war kein Fehlgriff. Die Tastatur ist super, funktioniert out of the box und lässt sich bequem zur Navigation und Eingabe nutzen.

Wireless Keyboard

Die nächste Entscheidung war natürlich das Betriebssystem. Ich selbst bin großer ArchLinux Fan. Deshalb ist klar, was ich zunächst probiert habe: ArchLinux ARM. Die Installation war nur das Kopieren des ARM Images auf die SD Karte mit vorherigem Partitionen der SD Karte. Sehr intuitiv. Danach habe ich einfach viele meiner privaten Config Files kopiert und es war fertig.

ArchLinux ARM SSH

So sah der erste Login aus. Der kleine Pi ist super schnell, was mich dermaßen beeindruckt hat. Mit grafischer Oberfläche und allen installierten Tools hat er 72MB RAM verbraucht, ohne nur 37MB RAM. Arbeitsspeichermanagement scheint in der ARM Architektur doch ganz okay zu sein.

ArchLinux ARM htop

Leider gab es ein Problem: Die Videowiedergabe war total ruckelig mit angenehmen Tools wie dem VLC Player. Das konnte ich umgehen, indem ich den für ARM optimierten omxplayer genutzt habe. Die Handhabung und die Idee gefiel mir dann aber nicht mehr. Es sollte ein System sein, dass mir a) kaum Wartungsarbeiten beschert b) für jeden "Dummy" nutzbar ist und c) nur Medien wiedergeben soll und keine fancy anderen Programme hat, da ich diese ohnehin auf meinem richtigen Homeserver laufen habe.

Meine Suche hat nach kurzer Zeit OpenELEC ausgespuckt. Mit dd habe ich dann die SD Karte gesichert, so dass ich durch das Kopieren des Images wieder zurück könnte. Brauchte ich aber nicht. OpenELEC ist sowas von klasse und mit der Tastatur ein wirklicher Genuss. Es gibt viele Plugins, die z.B. Youtube, ARD Livestreams etc. erlauben, dass ich zu 100% zufrieden bin. Besser als die Popcornhour (zumindest die alte) ist es auch und auch viel kostengünstiger mit einer Gesamtinvestition von ~60€ (ohne Tastatur).

OpenELEC

Ich kann dieses Setup wirklich jedem empfehlen, der günstig ein (auch per WiFi ansteuerbares) Mediacenter sucht, das unabhängig von großen TV-Herstellern ist und sehr portabel. Ein Mitnehmen des RPi in den Urlaub zusammen mit einer USB Festplatte stellt auch gar kein Problem dar. Musik, Filme, Serien. Alles kein Problem!

Im Laufe der nächsten Woche werde ich wahrscheinlich noch weiter mit dem neuen System rumspielen, ein Fernzugriff per ssh ist natürlich auch möglich und so kann mein Bastlerherz auch ein wenig in die Systeminterna schauen und eventuell den ein oder anderen Tweak vornehmen, auch wenn das im Standardsetup überhaupt nicht nötig ist.

Mit dem Pi ist natürlich noch viel mehr möglich und diese Möglichkeiten sind fast unendlich: ein günstiges Boxensystem in jedem Raum, dass von einer zentralen MPD Instanz gesteuert wird oder Videoüberwachung per Camera Pi Modul. Spätestens in der neuen Wohnung werde ich wohl mit diesen kleinen Rechnern aufrüsten, sodass in jedem Raum Musik abspielbar ist bzw. vom Homeserver gecastet werden kann. Das freut mein Bastlerherz. :-) Videoüberwachung klingt vielleicht übel, aber in der neuen Wohnung im Erdgeschoss finde ich die Idee ziemlich genial. Außerdem kann man dann beobachten, was die Katzen mit der Wohnung veranstalten, wenn man außer Haus ist.


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